Am
5. Februar 1938 in Hamburg wurde sie als Einzelkind einer unverheirateten
Opern Choristin und Wagner Verehrerin geboren (daher ihre Taufnamen,
Ortrud Elsa Elisabeth). 1943 ausgebombt und evakuiert nach Thüringen,
wächst sie nach dem Krieg als Flüchtlingskind in Schleswig-Holstein
bei den Großeltern auf. Früh entstand der Wunsch, Schauspielerin zu
werden (“die einzige Möglichkeit, diese traurige Kindheit verlassen
zu können.") Nach dem Abitur absolviert sie eine Buchhandels Lehre und
will sich dann zur Schauspielerin ausbilden lassen. Ihre unkonventionelle
Art läßt sie eigenem Bekunden zufolge an der staatlichen Eignungsprüfung
zur Schauspielausbildung in Hamburg scheitern. Ihr Vorsprechprogramm
beinhaltet neben dem ,,Vater unser" das Schlagerlied ,,Nur nicht aus
Liebe weinen".
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1964
übersiedelt Ortrud nach Berlin und wird in einer Buchhandlung vom
französischen Regisseur Paul Vasil für die Bühne entdeckt. 1965
gab sie in dem Marcel Aymeé Stück Messerköpfe ihr
Bühnendebüt. 1970 übernimmt sie mit Vasil die Leitung des
Westberliner Off-Theater Reichskabarett, wo sie große Erfolge feiert und zu
einer Muse der Studentenszene wird.
Ihr so genannte ‚Trivialtheater‘ Stil, der sie u.a. als Sarah
Bernhardt in der Kameliendame Collage 'Vita dolorosa' einsetzt, beschert ihr den ironischen
Spitznamen ,Die Duse vom Ludwigkirchplatz' . Zum weiteren Markenzeichen wird
ihre ironisch hintergründige Interpretationen vom klassischen
deutschen Liedgut. Letzte Rose heißt ihr erster ,tiefdeutscher'
Solo Abend. Bundesweit beachtet wird 1974 ihre Kriegsrevue
Fronttheater, die sie zusammen mit Jürgen Knieper und Waltraut
Habicht präsentiert.
1976
bekommt sie den Kleinkunstpreis der Stadt Mainz
und wird im selben Jahr
Ensemble Mitglied am Staatstheater Stuttgart unter Intendanten
Claus Peymann, Dort tritt sie u. a. kahlköpfig als Escalus in Maß für Maß
auf und barbusig in Blume von Hawaii. Von Stuttgart wechselt sie mit dem
Peymann-Ensemble an das Schauspielhaus Bochum (bis 1986) und hat hier
wichtige Bühnenrollen in Lessings
Nathan der Weise (Sittah), in Brechts Die Mutter (Hausbesitzerin)
und in der Uraufführung von Achternbuschs
Sintflut (Noahin). Ihr Stück Minna, oder wie man dazu gemacht wird
(1983) basiert auf der Geschichte ihrer weiblichen Vorfahren, die sie
schon 1976 in ihrem Buch
Guck‘ mal, schielt
ja verewigte. Mit der
Putzfrauen Oper ' Die Magd des Schicksals und einer Abrechnung mit der
Selbstverwirklichung der Frau Minna auf Mallorca entwickelt sich Minna zur Trilogie.
Es entstehen in der Bochumer Zeit auch eine musikalische Bearbeitung von
Wilhelm Buschs Die fromme Helene (1987), sowie ein Programm über Kitsch
und Armut mit dem Titel Wie
werde ich reich und glücklich?Neben ihrer Rollentätigkeit entwickelt sie
weiter eigene Programme. Beim Theaterfestival in Nancy gastiert sie
mit Ich will deine Kameradin
sein und bot deutsche
Soldatenlieder aus zwei Jahrhunderten dar. Das Gastspiel wird
vorzeitig abgebrochen, und es heißt, sie habe sich da ,,mit Nazi-Liedern
eingeschlichen". In einem Interview mit der ZElT (5.9.1981) erklärt sie zu
den Vorwürfen: ,,...ich war bisher der Meinung, daß die Art meines
Vortrags hinlänglich klarmacht, daß ich diese Lieder nicht etwa gutheiße,
sondern entlarven möchte."
Mit
Mein Freund Rudi (1989) setzt sie sich kritisch-ironisch mit der
verlorenen 68er Revolution auseinander. Im selben Jahr geht sie ans
Deutsche Schauspielhaus in Hamburg, und glänzt in verschieden
Charakterrollen u.a. als Frau Grollfeuer in Werner Schwabs
Volksvernichtung, und die Nazidiva Lil Dagover in Turrinis Tod und Teufel.
Hier entsteht auch ihr Solo-Abend, 1000 Jahre Deutscher Humor. Mit dem Wechsel an der Spitze des
Schauspielhauses 1993 wechselt auch Ortrud,
wieder zum Staatstheater Stuttgart, und zeigt zur Eröffnung der Intendanz von Friedrich Schirmer
ihre in Hamburg entstandene Heimatrevue Wir Mädel singen - eine böse-komische Satire über
Deutsche und Ausländer.
1995 wird sie für ihre Rolle in der preisgekrönten
Wiener Burgtheater Produktion Die Präsidentinnen von der Zeitschrift
Theater Heute zu Schauspielerin des Jahres gekürt. In einer Co-Produktion
der Wiener Festwochen und Burgtheater erhebt sie Anspruch auf die Krone
von Österreich in dem ‚monarchistischen Abend Ein Zacken aus der Krone.Im Stuttgarter Ensemble spielt sie u.a. Maria Callas
in Terence McNallys Stück Meisterklasse, und erscheint in den deutschen
Erstaufführungen von Peter Turrinis Schlacht um Wien und Der
Schlächterbursche von Patrick McCabe. Für den Solo Abend Eine
verführerische Frau vertont der Komponist Uli Bühl für sie Chansontexte
des Dramatikers Michael Zochow.In ihrer letzten Theaterarbeit führt sie 1998 in
Graz Regie bei der Uraufführung des Stückes Störung Luigi Forte, eine
Produktion des Steirischen Herbsts.
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