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Ortrud Beginnen

05.02.38 Hamburg 
19.01.99 Stuttgart 

Biografie

 Am 5. Februar 1938 in Hamburg wurde sie als Einzelkind einer unverheirateten Opern Choristin und Wagner Verehrerin geboren (daher ihre Taufnamen, Ortrud Elsa Elisabeth). 1943 ausgebombt und evakuiert nach Thüringen, wächst sie nach dem Krieg als Flüchtlingskind in Schleswig-Holstein bei den Großeltern auf. Früh entstand der Wunsch, Schauspielerin zu werden (“die einzige Möglichkeit, diese traurige Kindheit verlassen zu können.") Nach dem Abitur absolviert sie eine Buchhandels Lehre und will sich dann zur Schauspielerin ausbilden lassen. Ihre unkonventionelle Art läßt sie eigenem Bekunden zufolge an der staatlichen Eignungsprüfung zur Schauspielausbildung in Hamburg scheitern. Ihr Vorsprechprogramm beinhaltet neben dem ,,Vater unser" das Schlagerlied ,,Nur nicht aus Liebe weinen".

1964 übersiedelt Ortrud nach Berlin und wird in einer Buchhandlung vom französischen Regisseur Paul Vasil für die Bühne entdeckt. 1965 gab sie in dem Marcel Aymeé Stück Messerköpfe ihr Bühnendebüt. 1970 übernimmt sie mit Vasil die Leitung des Westberliner Off-Theater Reichskabarett,  wo sie große Erfolge feiert und zu einer Muse der Studentenszene wird.  Ihr so genannte ‚Trivialtheater‘ Stil, der sie u.a. als Sarah Bernhardt in der Kameliendame Collage 'Vita dolorosa' einsetzt,  beschert ihr den ironischen Spitznamen ,Die Duse vom Ludwigkirchplatz' .  Zum weiteren Markenzeichen wird ihre ironisch hintergründige Interpretationen vom klassischen deutschen Liedgut. Letzte Rose heißt ihr erster ,tiefdeutscher' Solo Abend. Bundesweit beachtet wird 1974 ihre Kriegsrevue Fronttheater, die sie zusammen mit Jürgen Knieper und Waltraut Habicht präsentiert.

1976 bekommt sie den Kleinkunstpreis der Stadt Mainz und wird im selben Jahr  Ensemble Mitglied am Staatstheater Stuttgart unter Intendanten Claus Peymann, Dort tritt sie u. a. kahlköpfig als Escalus in Maß für Maß auf und barbusig in Blume von Hawaii. Von Stuttgart wechselt sie mit dem Peymann-Ensemble an das Schauspielhaus Bochum (bis 1986) und hat hier wichtige Bühnenrollen in Lessings  Nathan der Weise (Sittah), in Brechts Die Mutter (Hausbesitzerin) und in der Uraufführung von Achternbuschs  Sintflut (Noahin). 
Ihr Stück Minna, oder wie man dazu gemacht wird (1983) basiert auf der Geschichte ihrer weiblichen Vorfahren, die sie schon 1976 in ihrem Buch  Guck‘ mal, schielt  ja  verewigte. Mit der Putzfrauen Oper ' Die Magd des Schicksals  und einer Abrechnung mit der Selbstverwirklichung der Frau Minna auf Mallorca  entwickelt sich Minna zur Trilogie. Es entstehen in der Bochumer Zeit auch eine musikalische Bearbeitung von Wilhelm Buschs Die fromme Helene (1987), sowie ein Programm über Kitsch und Armut mit dem Titel  Wie werde ich reich und glücklich?Neben ihrer  Rollentätigkeit entwickelt sie weiter eigene Programme. Beim Theaterfestival in Nancy gastiert sie mit  Ich will deine Kameradin sein  und bot deutsche Sol­datenlieder aus zwei Jahrhunderten dar. Das Gastspiel wird vorzeitig abgebrochen, und es heißt, sie habe sich da ,,mit Nazi-Liedern eingeschlichen". In einem Interview mit der ZElT (5.9.1981) erklärt sie zu den Vorwürfen: ,,...ich war bisher der Meinung, daß die Art meines Vortrags hinlänglich klarmacht, daß ich diese Lieder nicht etwa gutheiße, sondern entlarven möchte." 

Mit  Mein Freund Rudi (1989) setzt sie sich kritisch-ironisch mit der verlorenen 68er Revolution auseinander. Im selben Jahr geht sie ans Deutsche Schauspielhaus in Hamburg, und glänzt in verschieden Charakterrollen u.a. als Frau Grollfeuer in Werner Schwabs Volksvernichtung, und die Nazidiva Lil Dagover in Turrinis Tod und Teufel. Hier entsteht auch ihr Solo-Abend, 1000 Jahre Deutscher Humor.  Mit dem Wechsel an der Spitze des Schauspielhauses 1993 wechselt auch Ortrud, wieder zum Staatstheater Stuttgart, und zeigt zur Eröffnung der Intendanz von Friedrich Schirmer ihre in Hamburg entstandene Heimatrevue Wir Mädel singen  - eine böse-komische Satire über Deutsche und Ausländer.

1995 wird sie für ihre Rolle in der preisgekrönten Wiener Burgtheater Produktion Die Präsidentinnen von der Zeitschrift Theater Heute zu Schauspielerin des Jahres gekürt. In einer Co-Produktion der Wiener Festwochen und Burgtheater erhebt sie Anspruch auf die Krone von Österreich in dem ‚monarchistischen Abend Ein Zacken aus der Krone.Im Stuttgarter Ensemble spielt sie u.a. Maria Callas in Terence McNallys Stück Meisterklasse,  und erscheint in den deutschen Erstaufführungen von Peter Turrinis Schlacht um Wien und Der Schlächterbursche von Patrick McCabe. Für den Solo Abend Eine verführerische Frau vertont der Komponist Uli Bühl für sie Chansontexte des Dramatikers Michael Zochow.In ihrer letzten Theaterarbeit führt sie 1998 in Graz Regie bei der Uraufführung des Stückes Störung Luigi Forte, eine Produktion des Steirischen Herbsts.

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