Rudi


Mein Freund Rudi (1989) 

Die 68er Generation ist in die Jahre gekommen
und manch ein alter »Street-Fighting Man« sitzt heute in der Vorstandsetage und erinnert sich mit verklärtem Blick und schwindendem Gedächtnis an seine Zeit als jugendlicher Rebell, Ortrud Beginnen lädt sie alle ein zu einem satirischen »Veteranen-Treff«, wo sich die kämpfenden Karrieristen ihre alten Wunden lecken, ihre Narben zeigen und wo sie vor allem die alten Lieder noch einmal anstimmen können. 


Minna

Verführerische Frau
Wir Mädel singen 
Deutscher Humor 
Soldatenlieder
Minna auf Mallorca 

Mein Freund Rudi

Und wenn die Beginnen mit ihrer schrägen Stimme ein Rolling-Stones Lied  wie ein Händel­ Oratorium singt oder Wolf Biermanns Ode an »Commandante Che Guevara« zum Werbespot gerat, dann ist das eine Metapher für die Verkitschung und Vermarktung der Ideale von damals. 
Umhüllt von schwarzem Tuch und dem Flair beherrschter Hysterie, lässt sie die Alt­achtundsechziger nicht lange rätseln, welches innere Feuer die Energie nährt, mit der sie zwei Bühnenstunden lang so erstaunlich verschwenderisch umgeht. Nur eines treibt sie: Rache. In Song, Parodie und Wort. Und Gnade gibt es keine. Nicht für die Verräter an der sozialistischen ldee, die müden Opfer der Anpassung, nicht für die einstigen Helden und nicht für die verquaste Ethik und ihr enges Korsett an Verhaltens- mustern. Respektlos verzerrt sie alles zum grell lächerlichen Revolutionspotpourri. 
Mit dem Mut
und dem Können 
zur Groteske stürzt sie sich in die gnadenlose Parodie eines Ideals, das auch ihr eigenes gewesen ist, karikiert hemmungslos, schleudert, schlenkert Arme, Beine, Kopf, treibt kreischend und unnachgiebig selbstbewusst die Stimme in grelle Höhen, verzerrt schonungslos ihr Gesicht zu erstaunlichen Grimassen behält aber jeden Misston und jede Fratze doch noch unter Kontrolle.